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Wir schreiben das Jahr 1880. Eiseskälte richtete unter allen Kulturen grosse Schäden an. Ihren Spass hatten wohl nur jene, die auf einer dicken Eisschicht den Bodensee zu Fuss überqueren konnten. Rückblickend ging eben ein Jahrzehnt zu Ende, welches durchgehend den Stempel der Missernten trug. Sauer die Gesichter all jener, die dem Boden der Region etwas abzuringen hatten und vorwiegend sauer auch das Prädikat der gewonnenen Weine.

Die lückenlos geführte Statistik im Rebbau des Rheintals über die Jahrhunderte hinweg sprach eine deutliche Sprache: Von der Quantität der Weinlese konnte gerade ein Viertel als befriedigend bezeichnet werden, von der Qualität erreichten gerade zwei Jahrgänge innerhalb eines halben Jahrzehnts das Prädikat "gut". Es mag nun kaum verwundern, dass viele Bauern kurzerhand ihre Rebstöcke ausrissen. Doch gab es da Landstriche und Regionen, die bei weitem nicht mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Mildes Klima liess das Traubengut voll reifen und gehaltvolle Weine waren das Resultat.
Europa rückte durch die Erschliessung im Schienenweg immer näher zusammen. Es lag auf der Hand, den Wein zu importieren. In der Person von Wilhelm Schachtler fand sich dann auch jener kaufmännisch geschulte Kopf, welcher diese Marktlücke erkannte. Noch nicht dreissigjährig, gründete er 1880 in Altstätten ein Weinhandelsgeschäft und importierte vorwiegend Südtiroler Weine. Als herausragende Persönlichkeit erkannte und fand die Öffentlichkeit in ihm auch einen ausgezeichneten Sachverwalter ihrer Anliegen. Seine Tätigkeit auf politischem, kulturellem und sozialem Gebiet war erstaunlich:
Gemeinderat, Eidgenössischer Geschworener, Ortspräsident, Bezirksrichter, Kantonsrat, Kirchenvorsteher, Synodalrat, Stadtschulrat, und nicht zuletzt auch Gründer des heutigen Altstätter Museums. Dennoch musste ihm neben all diesem Engagement noch genügend Zeit für den Weinhandel geblieben sein, erlaubte er es ihm doch, um die Jahrhundertwende die auf weite Sicht geplanten Gebäulichkeiten an der Rorschacherstrasse zu erstellen.
Wenige Jahre vor seinem Tode (1913) übernahm er - als Kaufmann zwar nicht ganz nach seinem Herzen - von einem Konsortium 75 Aaren Rebbesitz des ehemaligen Spitalamtes St. Gallen. So wurde aus der Weinhandelsfirma auch ein Eigenanbaubetrieb. Der jähe Tod des Firmengründers zwang zu raschem Handeln. Wiederum war es ein Kaufmann, welcher die Hinterlassenschaft der Weinhandlung "Schachtler's Erben" antrat: der Schwiegersohn Gustav Haubensak. Als Mann der Zahlen und Bilanzen schwebte ihm der Verkauf des Geschäftes vor. Doch mit Ausbruch des ersten Weltkrieges war wohl niemand richtig überzeugt, dass im Weinhandel die Zukunft liegen sollte. Gustav Haubensak oblag somit die heikle Aufgabe, den Betrieb um die Klippen dieser wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu führen. Diese Aufgabe fiel ihm anfänglich nicht leicht, denn der Weinhandel war sein Gebiet nicht gewesen und das Rheintal nicht seine Heimat. Doch die Zeit des Kämpfens formte ihn und wenn er dabei auch kein waschechter Rebbauer wurde, als guter Weinhändler entpuppte er sich allemal. Und selbst das Rheintal vermochte ihn bald für sich zu gewinnen, denn im Binnenkanal den Forellen nachzustellen gehörte zu seinen grossen Leidenschaften. Nach zwanzigjähriger Firmenführung konnte er den Betrieb käuflich erwerben und unter dem Namen "Haubensak- Schachtler & Co" auf eigene Rechnung weiterführen. Zwei Generationen von Kaufleuten, die bis anhin das Unternehmen führten - höchste Zeit, dass etwas Unkalkulierbares geschieht.
In der Person von Heini Haubensak, dem jüngsten Sohn Gustavs, kam diese wohl kaum voraussehbare Wende. Denn obwohl man den jungen Mann zur Erlangung des Handelsdiploms in welsche Lande schickte, schien ihn neben dem Handel noch etwas ganz anderes zu interessieren: Die Rebe!
Praktika in verschiedenen Kellereien machten ihn mit den Geheimnissen der Weinbereitung vertraut, und an der Obst- und Weinfachschule Wädenswil erwarb er sich Wissen um die Kultivierung der Reben. Nach und nach liess er diese Erkenntnisse in das väterliche Geschäft einfliessen und erntete für diese Neuerungen nicht immer nur Lob. Geschweige, als er 1954 von verschiedenen Rebbauern den Hochkapf Eichberg erwarb und zu einer Musteranlage ausbaute. Dennoch akzeptierte der Vater, dass der Sohn nicht nur Kaufmann, sondern auch Rebbauer war. Dass Heini Haubensak bei all der Begeisterung für den Weinanbau nur allzu oft die Wirtschaftlichkeit hinten anstellte, damit musste von nun an die Firme leben lernen. Es sollte ihr Schaden nicht sein. So übernahm er schon zu Lebzeiten seines Vaters nach und nach die Leitung des Geschäftes, welches er allerdings erst 1968 als Einzelfirma unter dem Namen "Heini Haubensak, Rebbau und Weinkellerei"
sein eigen nennen konnte. In seine Zeit fielen zahllose Neuerungen. Darunter auch neue Technologien zur qualitativen Verbesserung des Weines. So erhielten unter seiner Leitung die Weine am Forst, in Altstätten und in Rebstein einen überdurchschnittlich guten Ruf. Der Eichberger wurde schon bald weit über seine Grenzen hinaus bekannt und die Kelterung des Portaser Weines machte der Firma alle Ehre. Trotz des unermüdlichen Einsatzes blieb seine menschliche und grosszügige Haltung immer im Vordergrund, waren doch auch dies seine Worte: "Für uns ist die Traube nicht das Schlussergebnis der Ernte. Letzten Endes wachsen an unseren Reben gute Laune, frische Lebenslust, unbeschwerte und heitere Gedanken."
Ein tragischer Unfall setzte all diesem Wirken ein jähes Ende. Seine Begeisterung für die Reben und den Wein lebten jedoch als persönliches Vermächtnis in der Familie weiter. Die älteste Tochter - der Schweiz erste Weinbautechnikerin - zusammen mit ihrer Schwester und Mutter führten dieses Erbe fort, während der Sohn sich in Wädenswil den Studien der Weinbereitung unterzog. Bei allem technischen Wissen erhielt auch er sich die grundlegende Liebe zur Kultivierung der Reben.
Eine glückliche Symbiose, um die Leitung des Unternehmens 1983 zu übernehmen. Vieles, was das väterliche Erbe offen liess, galt es im gleichen Sinn und Geiste weiterzuführen. Nicht zuletzt auch durch grosse Investitionen, um den Eigenanbau auf bester Ebene beibehalten zu können. In Eichberg wurde in der Zwischenzeit die grösste geschlossene Terrassenanlage im Kanton St. Gallen erstellt. In den gesamten Anbaugebieten bis zu drei Viertel der alten Reben durch junge Stöcke ersetzt. Ebenso hielten namhafte technische Neuerungen im Rebbau wie auch in der Weinkellerei Einzug. In weit über einhundertjähriger Tradition ist die Firma in all den Generationen zum grössten Traubenverwerter wie auch Eigenanbauer von Reben im Rheintal geworden. Das Fingerspitzengefühl, quantitativ zu wachsen ohne jegliche qualitative Einbusse, bedingt hohes fachtechnisches Können, um mit Leib und Seele ein Rebbauer zu sein. Ein Grundsatz, dem sich auch die jüngste Führung des Unternehmens verpflichtet fühlt.